Fast jeder klickt sich täglich durch dutzende Webseiten – Nachrichten, Foren, Streamingdienste, Shops oder Social Media. Trotzdem bleibt bei vielen ein ungutes Gefühl: Kann ich mich schon durch den bloßen Besuch einer Website strafbar machen? Und woran erkennt man überhaupt, ob eine Seite „illegal“ ist – oder nur unseriös?
Die gute Nachricht: In Deutschland ist das Surfen im Internet grundsätzlich erlaubt. Entscheidend ist aber oft nicht die URL, sondern welche Inhalte du abrufst und was du damit machst. Denn zwischen „nur lesen“ und „downloaden, speichern oder teilen“ liegen rechtlich Welten. Dieser Artikel zeigt dir verständlich, wo die Grenzen verlaufen, welche Ausnahmen es gibt, welche Bereiche besonders heikel sind – und wie du dich im Alltag rechtssicher und sicherheitsbewusst verhältst.
Hinweis: Das ist eine allgemeine Übersicht und keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Darf man „einfach so“ jede Website besuchen?
Es gibt in Deutschland kein allgemeines Verbot, beliebige Websites aufzurufen. Der reine Zugriff auf Informationen ist grundsätzlich erlaubt. Probleme entstehen meist nicht durch die Internetadresse an sich, sondern durch Inhalte und Handlungen, die mit dem Besuch verbunden sind.
Wichtig ist: Beim Aufruf einer Website werden Daten technisch auf dein Gerät übertragen (z. B. in Zwischenspeichern). In den allermeisten Fällen ist das unkritisch. Es gibt aber Konstellationen, in denen allein der Abruf bestimmter Inhalte rechtlich heikel sein kann.
Der wichtigste Unterschied: „Besuchen“ ist nicht gleich „nichts tun“
Viele denken: „Ich habe ja nur geschaut.“ Rechtlich macht es aber einen großen Unterschied, was du konkret machst. Dazu gehören:
- Ansehen/Lesen (passiver Konsum)
- Streamen (technische Zwischenspeicherungen entstehen)
- Downloaden (bewusstes Speichern)
- Speichern/Archivieren (Screenshot, Speichern im Browser, Cloud-Sync)
- Teilen/Weiterleiten/Veröffentlichen (Link posten, Reupload)
- Kommentieren/Chatten/Bestellen/Bezahlen (aktive Teilnahme)
In vielen Bereichen ist das reine Lesen/Anschauen rechtlich unproblematisch – riskant wird es eher, wenn du speicherst, verbreitest oder aktiv mitwirkst.
Macht man sich schon durch den Besuch einer Website strafbar?
Meistens nicht.
Aber: Es gibt Inhalte, bei denen bereits der Abruf oder das Sichverschaffen strafrechtlich relevant sein kann. Das betrifft vor allem sehr schwere Delikte.
Besonders kritisch: Missbrauchsdarstellungen von Kindern
Bei Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder ist die Rechtslage besonders streng. In solchen Fällen kann bereits das Abrufen und das dadurch bewirkte Sichverschaffen strafbar sein – also auch dann, wenn man nicht aktiv „downloadet“, sondern Inhalte beim Aufruf technisch aufs Gerät gelangen.
Praxisübersetzung: Wenn du auf dubiose Links klickst und dadurch solche Inhalte auf deinem Gerät landen (auch kurzfristig), kann das strafrechtlich sehr ernst werden. Deshalb gilt hier maximaler Schutz: nicht klicken, nicht „prüfen“, sofort schließen.
Gewalt-/Terror-Anleitungen und staatsgefährdende Inhalte
Auch bei bestimmten Anleitungen zu schweren Straftaten kann es Konstellationen geben, in denen die Strafbarkeit an das Verschaffen oder Zugänglichmachen anknüpft – insbesondere, wenn ein bestimmter Zweck oder Kontext hinzukommt (z. B. Weitergabe, Vorbereitung). Reines „Lesen aus Neugier“ ist nicht automatisch strafbar, aber je mehr du aktiv wirst, desto eher wird es riskant.
Urheberrecht: Ist illegales Streaming strafbar?
Beim Thema Streaming/Downloads sind zwei Ebenen wichtig:
- Strafrecht: Nutzer werden in der Praxis eher selten wegen Streamings strafrechtlich verfolgt.
- Zivilrecht: Es kann trotzdem rechtswidrig sein (Urheberrecht) – und es kann Abmahn-/Kostenrisiken geben.
Besonders kritisch ist es, wenn die Quelle offensichtlich illegal wirkt, etwa:
- „neue Kinofilme kostenlos“
- keine Lizenz-/Anbieterinfos
- aggressive Pop-ups, dubiose Player, viele Fake-Buttons
- ständig wechselnde Domains/Spiegelserver
Merksatz: Legale Quelle = sicher. Offensichtlich illegale Quelle = rechtliches Risiko (mindestens zivilrechtlich).
Extremismus/Propaganda/Symbole: Lesen vs. Verbreiten
Ein häufiger Irrtum: „Wenn ich eine extremistische Seite öffne, ist das strafbar.“ In vielen Fällen liegt die rechtliche Grenze nicht beim stillen Lesen, sondern bei:
- Verbreiten von Propaganda (z. B. weiterleiten, hochladen, posten)
- öffentlichem Verwenden verbotener Kennzeichen/Symbole (z. B. Profilbild, Sticker, Meme, öffentliche Posts)
Das bedeutet nicht, dass das Lesen immer klug oder ungefährlich ist (Stichwort: Tracking, Radikalisierungsinhalte, algorithmische Vorschläge). Strafrechtlich wird es aber oft erst bei Öffentlichkeit und Weitergabe wirklich kritisch.
Darknet/Tor: Darf man das nutzen?
Die Nutzung von Tor und der Zugriff auf .onion-Seiten sind nicht per se verboten. Viele nutzen Tor aus legitimen Gründen (Datenschutz, Journalismus, Umgehung von Zensur in autoritären Staaten).
Aber: Im Darknet gibt es auch illegale Marktplätze. Dort kann aus einem „Besuch“ sehr schnell eine Straftat werden – etwa durch Kauf/Verkauf illegaler Güter oder den Abruf eindeutig strafbarer Inhalte.
Kurz: Tor/Darknet ist nicht automatisch illegal. Illegal sind Inhalte und Handlungen – überall.
Betrugs-, Phishing- und Malware-Seiten: Oft nicht „dein Delikt“, aber dein Problem
Viele gefährliche Websites sind nicht deshalb problematisch, weil du dich strafbar machst, sondern weil du Opfer wirst:
- Phishing-Seiten klauen Logins
- Fake-Shops kassieren Geld ohne Ware
- Malware-Seiten installieren Schadsoftware
- „Crack“- und Keygen-Seiten sind besonders riskant (Schadsoftware + häufig urheberrechtlich/vertraglich problematisch)
Rechtlich bist du als Opfer meist nicht der Täter – aber du kannst erhebliche Schäden erleiden: Konto, Identität, Daten, Geld.
Was sollte man beim Surfen beachten? (Praktische Regeln)
Vor dem Klick: Seriosität prüfen
- Wirkt die Seite professionell und nachvollziehbar?
- Gibt es klare Anbieterinfos (bei Shops/Services)?
- Gibt es extreme Lockangebote („100% gratis“, „ohne Anmeldung alles“)?
- Warnt der Browser vor Gefahr?
Vermeide Handlungen, die aus „Besuch“ eine „Verbreitung“ machen
- Nichts Problematisches teilen, weiterleiten, reuploaden
- Keine Screenshots/Downloads von eindeutig illegalen Inhalten
- Vorsicht mit „Ich poste das zur Aufklärung“ – auch das kann rechtlich und praktisch nach hinten losgehen
Grundregel für Grauzonen
Wenn du eine Quelle nicht einordnen kannst: lass es. Gerade dubiose Links aus Chats, Foren oder „Leak“-Seiten sind oft Fallen (rechtlich oder technisch).
Was tun, wenn du aus Versehen auf einer eindeutig illegalen Seite gelandet bist?
Allgemein und vorsichtig (ohne Einzelfallberatung):
- Sofort schließen (Tab/Browser beenden).
- Nichts speichern oder teilen (kein Download, kein Screenshot, kein Weiterleiten).
- Nicht „zur Sicherheit nochmal schauen“ – das verschlimmert die Lage.
- Wenn du ernsthaft Sorge hast, dass es um schwer strafbare Inhalte ging oder Inhalte auf deinem Gerät gelandet sein könnten: zeitnah anwaltlichen Rat einholen (Strafverteidiger/IT-Strafrecht).
Kurz-FAQ
Ist es strafbar, eine Website nur zu lesen?
In den meisten Fällen nein. Kritisch wird es eher bei Speichern, Download, Verbreitung oder aktiver Teilnahme – und bei wenigen extremen Inhalten kann bereits der Abruf problematisch sein.
Ist illegales Streaming erlaubt?
Es kann urheberrechtlich rechtswidrig sein, besonders bei offensichtlich illegalen Quellen. Häufig drohen eher zivilrechtliche Konsequenzen (z. B. Abmahnungen) als Strafverfahren, aber risikofrei ist es nicht.
Ist Tor/Darknet illegal?
Die Nutzung an sich nicht. Illegal wird es, wenn du dort illegale Inhalte abrufst oder Straftaten begehst (z. B. auf illegalen Marktplätzen).
Kann schon ein Klick Probleme machen?
Meist nicht. Bei besonders schweren illegalen Inhalten kann aber schon der Abruf strafrechtlich relevant sein. Darum: bei dubiosen Links konsequent vermeiden.
Fazit
Du darfst grundsätzlich Websites besuchen. Strafbar wird es in der Regel nicht durch den bloßen Besuch, sondern durch konkrete Handlungen wie Download, Speicherung, Weitergabe oder Beteiligung. Es gibt jedoch besonders sensible Bereiche, in denen bereits der Abruf von Inhalten ernsthafte strafrechtliche Risiken auslösen kann. Mit ein paar klaren Grundregeln – seriöse Quellen nutzen, Warnzeichen ernst nehmen und nichts Problematisches speichern oder verbreiten – reduzierst du dein Risiko deutlich und surfst gleichzeitig sicherer.
